Kreuzbandriss

Das vordere Kreuzband ist der zentrale Pfeiler eines Kniegelenkes. Das Kniegelenk kann zwar ohne diesen statischen Stabilisator über die Muskulatur (dynamische Stabilisatoren) stabilisiert werden. Das gilt jedoch ausschließlich für bewußt gesteuerte Bewegungen. Ohne das vordere Kreuzband ist das Knie im regelfall nicht sportfähig. Ohne Operation kommt es zu fehlerhaften Dreh- und Gleitbewegungen im Knie, die auf Dauer zu weiteren Schädigungen an Meniskus- und Knorpelsubstanz führen. Infolge dessen kommt es immer wieder zu unwillkürlichen Wegknicken des Kniegelenkes mit weiteren Verletzungen von Band- Meniskus- und Knorpelstrukturen. Die Arthrose nimmt ihren Lauf.

Ein Ersatz des vorderen Kreuzbandes ist entweder sofort (innerhalb 24 Stunden) oder nach 6 Wochen sinnvoll, wenn das Knie wieder abgeschwollen ist. Der Eingriff wird stationär durchgeführt.

Das Kreuzband wird ersetzt mit der Semitendinosus- und Gracilissehne. Die 2 Sehnen sind Beugesehnen auf der Innenseite des Kniegelenkes. Das Elastizitätsverhalten dieser Sehnen kommt dem ursprünglichen Kreuzband sehr nahe. Sie enthalten mehrfach vernäht mehr Faseranteile als zum Beispiel das Patellasehnentransplantat, das auch oft verwendet wird. Durch einen circa 4-5 cm langen Hautschnitt werden die Sehnen mit einem Ringstripper aus der Oberschenkelmuskulatur herausgelöst. Kraftverluste sind selten zu beobachten, weil die benachbarten Muskeln die Funktion übernehmen.

Das Gelenk wird arthroskopisch für den Kreuzbandersatz vorbereitet und Begleitverletzungen entsprechend behandelt. Mit Zielgeräten werden die Verankerungsbohrlöcher im Schienbeinkopf und Oberschenkel gemacht. Das Transplantat wird durchgezogen, im Oberschenkel mit einer Schleife und im Schienbeinkopf mit einer selbstauflösenden Schraube fixiert.

Meistens können Sie am nächsten Tag entlassen werden. Klammern werden am 14-ten Tag in der Praxis gezogen und danach wird angefangen mit physiotherapeutischen Behandlung.

 

Nachbehandlungsplan Vordere Kreuzbandplastik

 

ZeitTherapiemaßnahme

Tag 0-2:

  • – Kryotherapie (Eis, Gelpack), Lymphdrainage
  • – Mobilisation an Unterarmgehstützen mit Teilbelastung von 10-20 kg
  • – Physiotherapie mit Gelenkmobilisation 60-0-0°

Tag 3-21:

  • – Fortsetzung der Lymphdrainage, Kryotherapie
  • – Mobilisation an Unterarmgehstützen mit Teilbelastung von 10-20 kg
  • – Gelenkmobilisation 90-0-0°
  • – Quadricepstraining  (Streckhebung, Anspannen)

Tag 21- 42:

  • – Gelenkmobilisation 120-0-0°
  • – Mobilisation an Unterarmgehstützen mit Teilbelastung von 50%
  • vom Körpergewicht
  • – Weitere Quadricepsaktivierung
  • – Ggf. Ergometertraining

Woche 6 – 12:

  • – Vollbelastung ohne Gehstützen ohne Bewegungslimit
  • – Abschwellende Maßnahmen, falls noch Resterguss besteht
  • – Rehatraining, Kraftaufbau (Beinpresse)
  • – Schwimmen (Kraul), ggf. Aquajogging

Woche 13 – 16:

  • – Kraftaufbau
  • – Schnelles gehen
  • – Beinpresse, weitere Quadricepsaktivierung

Woche 17 – 26:

  • – Fortsetzung  Kraftaufbau

5 – 6 Monate:

  • – Lauftraining anfangen (Joggen)

6 – 9 Monate:

  • – Wiederaufnahme der ursprünglichen Sportart bei reizfreiem Knie
  • und guter Muskelkraft

 

Es handelt sich bei den oben genannten Maßnahmen um Richtwerte, die im Einzelfall durch die individuelle Behandlung geändert werden müssen. Ich spreche mit jedem meiner Patienten persönlich einen Behandlungsplan ab.